Der TheoPoint

Gedanken über Gott und die Welt

Andacht zur Begrüßung der Klimapilger 2018 in Zülpich

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Ökumenische Andacht in der Krypta St. Peter,
10.09.2018 – 18.00 Uhr

Begrüßung

„Geht doch!“
[vgl. das Motto des aktuellen Klimapilgerwegs unter https://www.klimapilgern.de/]
Zwei Tage und die ersten etwa 40 bis 50 km sind jetzt zurück gelegt.
Vom Ort des Klimagipfels im letzten Jahr in Bonn zum Klimagipfel dieses Jahr in Katowitz.

Herzlich willkommen, Ihr alle, die Ihr heute mitgelaufen seid.
Herzlich willkommen, die Ihr das vorbereitet habt.
Herzlich willkommen, die Unterkunft bereit stellen für die Nacht.
Herzlich willkommen, die morgen mit aufbrechen werden.

Herzlich willkommen, Guter Gott, der Du uns begleitest und ermutigst zu weiteren Schritten, zu Protest, zu Gebet und Appellen, zu Liedern und Nachdenken…
Lasst uns beginnen im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Lied:
„Du bist da, wo Menschen leben.“

Gebet

„Geht doch!“
Guter Gott, dieser Aufforderung sind wir gefolgt.

Manche ganz wörtlich von Bonn aus. Manche von Heimerzheim aus.

Und viele Hundert Kilometer werden folgen.

„Geht doch!“
Guter Gott, wir glauben, dass bei Dir nichts unmöglich ist:
Dass es geht, die Klimaveränderungen aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen.
Dass es geht, wenn Menschen sich aufmachen und ihr Verhalten verändern.
Dass es geht, wenn die Politik gute Rahmenbedingungen schafft.

„Geht doch!“
Guter Gott, mach uns Mut, zu gehen und uns so zu ändern, dass es geht.

Hilf uns beim Ausruhen und Kraftschöpfen.
Und hilf uns, weiter zu gehen. Amen

Psalm, Hub Osterhuis frei nach Psalm 139

Du.
Du ergründest mein Herz, du erforschst mich.
Du weißt um mein Gehen und Stehen.

Du kennst, was ich denke, von ferne,
mein Reisen und Wandern, mein Ruhen.

All meine Wege sind dir bekannt –
jedes Wort, das mir kommt auf die Lippen,
unausgesprochen noch, du hörst es schon.

Hinter mir bist du und mir voran.
Du legst deine Hände auf mich. –
Das ist es, was ich nicht begreifen,
nicht denken kann, das ist zu hoch für mich.

Wie dem Hauch deines Mundes entkommen,
wohin flüchten vor deinem Angesicht?

Erklimm ich den Himmel, da bist du,
steig ich in die Erde, da find ich dich auch.

Hätte ich Flügel des Morgenrots,
flöge ich in die fernsten Meere,
auch dort du, deine Hand,
deine Rechte, die mich festhält.

Riefe ich: „Finsternis bedeck mich,
Licht, wandle dich in Nacht“ –
für dich besteht die Finsternis nicht.

Für dich ist die Nacht so klar wie der Tag,
die Finsternis ebenso hell wie das Licht.

Ergründe mein Herz, nun erforsche mich, Ewiger,
prüfe meine geheimen Gedanken.

Mein Weg führt doch nicht in die Irre?
Führe mich fort auf dem Weg meiner Väter und Mütter.

Lied: Bist zu uns wie die Mutter

Lesung Matthäus 6 (Klaus Wengst)

Aus dem Evangelium nach Matthäus:

24 Niemand kann zwei Herren dienen. Entweder nämlich wird er den einen hassen und den anderen lieben oder einem anhängen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
25 Deshalb sage ich euch: Sorgt nicht für euer Leben, was ihr esst oder was ihr trinkt, noch für euren Leib, was ihr anzieht! …
33 Erstrebt zuerst das Reich Gottes und Gottes Gerechtigkeit! Dann wird euch das alles hinzugegeben werden.

Lied 112 Halleluja

 

Predigt

Ich möchte heute an der Bergpredigt-Auslegung von meinem alten Professor für Neues Testament, Klaus Wengst anknüpfen.

Ganz am Ende vom Matthäusevangelium fordert Jesus: Haltet alles, was ich euch geboten habe. Wengst sagt, dass damit vor allem auch an die Lehre der Bergpredigt gemeint ist.

Ich habe oft gehört, mit der Bergpredigt könne man keine Politik machen. Ich habe es noch im Ohr, wie damals Bundeskanzler Helmut Schmidt das sagte. Und es wird bis heute von vielen Menschen wiederholt. Aber das Matthäusevangelium macht deutlich: In der Bergpredigt legt Jesus den Willen Gottes aus. Und der kann und soll er auch getan werden.

Es gab immer wieder Christen, die sagten, an der Bergpredigt solle man seine Sünden erkennen. Dazu sagt Wengst: „Die Erfahrung von Sünde und Vergebung dispensiert aber nicht von der Praxis, sondern stellt gerade wieder in sie hinein.“ (S. 19) Man könnte auch sagen: Wer merkt, dass er sich falsch verhält, muss sein Verhalten ändern.

Ihr seid auf dem Pilgerwegweg, weil es genau um die Gerechtigkeit Gottes geht. Ihr seid auf dem Weg, damit es nicht nur für uns hier um Wohlstand und Wirtschaftswachstum geht, sondern damit es allen Menschen gut geht und damit der Wohlstand gerecht verteilt wird. Die Verheißung aus unserer Evangelienlesung eben lautet: Wenn wir uns für Gerechtigkeit einsetzen, bekommen wir den Wohlstand obendrauf.

Das heißt: Auf unserer Erde muss es gerecht zugehen.

Es darf nicht sein, dass eine Minderheit die Erde für ihren Lebensstil ausbeutet und die Mehrheit dafür billig arbeiten lässt
Es darf nicht sein, dass die Minderheit so lebt, dass der CO2-Gehalt durch die Decke geht, dass die Polkappen abschmelzen. Schon jetzt leidet eine Mehrheit unter dem Klimawandel und in wenigen Jahrzehnten wird ihr Land im Meer versinken.

Es darf nicht sein, dass hier in NRW an vielen Standorten Windenergie und Pumpspeicherkraftwerke verhindert werden, weil es angeblich die Landschaft verschandele, solange durch unseren Lebenswandel anderswo auf der Welt ganze Landschaften komplett unbewohnbar und im Meer verschwinden werden.

Selbstverständlich müssen wir darauf achten, ob zum Beispiel bestimmte Vögel durch Windräder gefährdet werden.
Und zur Gerechtigkeit gehört es auch, dass wir genau darauf achten, wo z.B. Elektroautos die Umwelt zerstören. Für die Batterein brauchen wir z.B. Lithium und Kobald. Das ZDF zeigte gestern, wie in Südamerika die Umwelt zerstört wird, um Lithium zu gewinnen: Die Flamingos dort drohen deswegen auszusterben. Und im Kongo wird das Kobalt oft unter Lebensgefahr abgebaut: Alles für unsere Lithium-Batterien für Elektroautos usw. Und die Menschen dort machen sich kaputt und haben trotzdem keinen Anteil am Gewinn und am Wohlstand…
Es wird nicht damit getan sein, Braunkohleabbau zu beenden, sondern wir müssen immer wieder neu schauen, wo es Verlierer unseres Lebensstils gibt. Auch ein scheinbar ökologischerer Lebensstils kann Verlierer erzeugen.

Aber es ist nicht nur Windkraft oder andere ökologische Energieerzeugung.
Wie oft fahren wir hier abends mit dem Auto nach Euskirchen, um jemanden aus der Familie abzuholen, weil Abends kein Bus mehr vom Bahnhof der Kreisstadt in die Ortschaften rundherum fährt? Was könnte da alles getan werden?
Anderswo hat man schon lange Sternfahrten eingerichtet: Aus allen Orten fahren abends Busse in die Kreisstadt, treffen sich dort und fahren wieder zurück. So könnte man so mache Veranstaltung auch ohne eigenen PKW noch besuchen und käme auch wieder zurück. So etwas würde ich mir hier wünschen, und es würde CO2 vermeiden helfen. Wie viele solche Beispiele gibt es noch?
Diese Beispiele finden wir alle nicht in der Bergpredigt. Abe die Bergpredigt fordert uns auf, die Augen aufzumachen, damit wir Ungerechtigkeit erkennen und abstellen. Und dazu gehört es auch, konkrete Probleme heute anzusprechen.

Ihr seid auf dem Weg nach Katowitz zum Weltklimagipfel.
Ökumenisch. Darum freue ich mich, dass ich als ev. Pfarrer für heute hier die Andacht in der kath. Krypta vorbereiten durfte. Darum freue ich mich, dass Ihr ökumenisch auf dem Weg seid und dass auch Menschen mitpilgern können, die ganz unterschiedlichen Kirchen angehören oder auch gar keiner Kirche.

Euer Pilgerweg ist für uns alle eine Mahnung, dass es gerecht zugehen muss auf dieser Welt. Und dazu gehört auch die Mahnung an unsere Politiker, dass die Klimaziele eingehalten werden.

Und aus dem Matthäusevangelium haben wir die Zusage: Um unseren Wohlstand müssen wir uns dabei keine Sorgen machen.
Wenn wir uns für Gerechtigkeit einsetzen (und dazu gehört auch die Einhaltung der Klimaziele), bekommen wir den Wohlstand obendrauf.
Euer Pilgerweg zeigt, dass die Bergpredigt lebbar ist und dass es sich lohnt sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Dafür ein dickes Dankeschön. Amen.

Lasst uns die Fürbitten heute singen

Lied: Da wohnt ein Sehnen tief in uns o Gott nach Dir
 

Vaterunser

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Gott segne Dich, wenn Du pilgernd hier in Zülpich angekommen bist
und wenn Du Dich morgen pilgernd auf den Weg machst.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten
über dir und sei dir gnädig.

Gott segne Dich,
wenn Du Unterkunft und Gastfreundschaft gewährst,
aber auch wenn Du betest und Dich für konkrete Projekte vor Ort einsetzt.

Der Herr hebe sein Angesicht über dich
und gebe Dir Frieden.

Gott segne Dich, wenn Du Menschen neu kennenlernst,
und immer neu fragst, wie es in der Welt gerechter zugehen kann.

So segne und behüte Euch der allmächtige und barmherzige Gott,
Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Lied: Ich sing Dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben

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