Der TheoPoint

Gedanken über Gott und die Welt.

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„Ich glaube.
Hilf meinem Unglauben!“

(Jahreslosung 2020 – Markus 9,24)

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Seit dem 1.8.2015 bin ich (wieder) Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland, nun auf einer Pfarrstelle mbA (“mit besonderem Auftrag”).

Dazu gehören zu 50 Prozent die Krankenhausseelsorge am Marien-Hospital in Euskirchen sowie die Seelsorge in Altenheimen im Bereich der Gemeinden Zülpich und Swisttal sowie Vertretungen im Kirchenkreis. Zuvor war ich freiberuflich als Theologe tätig.

Zwischen 2004 und Januar 2009 war ich für fünf Jahre Pastor im Sonderdienst für Altenheimseelsorge in Heimen in Zülpich, Euskirchen und Bad Münstereifel und für Schulgottesdienste an den weiterführenden Schulen in Zülpich.

Die Arbeit hat Freude gemacht, in der Begegnung mit jungen Menschen, mit der Lebenserfahrung alter Menschen genauso wie in der Begegnung mit Menschen, denen die Demenz große Teile ihrer Lebenserfahrung verschlossen hat. Und doch kann man lernen, Schlüssel zu  dieser Vergangenheit finden, aber auch zu sich selbst und all dem Unaussprechlichen, zu den Emotionen und einer ganz einfachen Kommunikation.

Dann sage ich gerne: Für mich waren diese fünf Jahre ein Geschenk. Wer hat schon die Gelegenheit, sich als immer noch recht junger Mensch mit dem Altern auseinandersetzen zu dürfen?

Mich prägt die Zeit als Notfallseelsorger im Kriseninterventionsdienst-Team des DRK ebenso wie nun die Aufgabe, jedes Jahr in zwei „Sammelbestattungen“ die Sternenkinder zu beerdigen: Kinder, die tot auf die Welt gekommen sind. Unsere Welt ist manchmal ziemlich brutal – auch wenn ich das Privileg genieße, in einer Ecke der Erde zu leben, die seit Jahrzehnten von Wohlstand und Frieden geprägt ist. Für mich bedeutet es, dass ich versuche, dankbar aber auch ehrlich zu predigen.

„Ich glaube!“ Das tun heute viele. Und sie glauben viel zu viel. Glauben ist gar nicht so schwer. Einfach liken und weiterschicken.
Aber kritisch hinterfragen? Nicht sofort weiterschicken, sondern erst einmal kontrollieren, ob die Quelle glaubwürdig ist? Nicht alles für bare Münze nehmen? Was mag dieser Vater des „besessenen“ Jungen nicht alles ausprobiert haben? Wer mag ihm nicht schon alles versprochen haben, er könne seinen Sohn heilen? „Ich glaube doch!“, schreit der Vater. „Den anderen habe ich doch auch geglaubt. Mein Sohn ist immer noch krank. Meine Zweifel gehören zu mir. Du kannst meinem Sohn nur helfen, wenn du mich so nimmst, wie ich bin. Mein Glaube gehört zu mir! Hilf auch meinem Unglauben!“
So lautet einer meiner Versuche, die Jahreslosung zu lesen. Wenn wir alles für bare Münze nehmen, wenn wir uns kritiklos ein X für ein U vormachen lassen, geben wir die Verantwortung ab an irgendwen. Wir übernehmen sie dann jedenfalls nicht mehr. Richard P. Feynman, der großartige Physik-Nobelpreisträger und unbestechliche Wissenschaftler, legte großen Wert darauf, dass es Wissenschaft ohne Zweifel nicht gibt. Und er bewunderte den Glauben, der seiner Meinung nach ohne Zweifel auskäme. Ich möchte ihm widersprechen. Auch der Glaube kommt nicht ohne den Zweifel aus. Nichts an Gott kann ich wissen. Es gibt keinen archimedischen Punkt, von dem aus ich über Gott Sicherheit bekommen kann. Und wenn ich mir besonders sicher scheine, kann ich von Gott besonders weit entfernt sein. Glaube gibt es nicht ohne den Zweifel.
„Hilf meinem Unglauben!“ Dieser Vater hatte etwas begriffen. Wie sein Sohn gesund geworden ist: Ich weiß es nicht. Ich muss das auch nicht wissen. Ich freue mich für die beiden. Und verliere meinen Glauben nicht, wenn beim nächsten Einsatz die Reanimation wieder mal nicht Erfolg hatte und ein KID-Team oder die Notfallseelsorge angefordert werden musste. „Hilf meinem Unglauben!“

Bernd Kehren,
Pfarrer mbA.


Lesen Sie hier, wie es zu „Theopoint“ kam.


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