Der TheoPoint

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„Ich glaube.
Hilf meinem Unglauben!“

(Jahreslosung 2020 – Markus 9,24)

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Seit dem 16. Juni 2020 bin ich Militärpfarrer am Standort Mayen.

Meine Evangelischen Kirche im Rheinland hat mich für diesen Dienst freigestellt. Ich bin aber froh, immer noch zu meiner Landeskirche zu gehören, in der ich zuletzt im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel als „Pfarrer mit Besonderem Auftrag“ in der Altenheim- und Krankenhausseelsorge tätig war.

Die Zeit als Notfallseelsorger im Kriseninterventionsdienst-Team des DRK prägte mich ebenso wie die Aufgabe Sternenkinder zu beerdigen: Kinder, die tot auf die Welt gekommen sind. Unsere Welt ist manchmal ziemlich brutal – auch wenn ich das Privileg genieße, in einer Ecke der Erde zu leben, die seit Jahrzehnten von Wohlstand und Frieden geprägt ist. Für mich bedeutet es, dass ich versuche, dankbar aber auch ehrlich zu predigen – nun auch in der Militärseelsorge.

„Ich glaube!“ Das tun heute viele. Und sie glauben viel zu viel. Glauben ist gar nicht so schwer. Einfach liken und weiterschicken.
Aber kritisch hinterfragen? Nicht sofort weiterschicken, sondern erst einmal kontrollieren, ob die Quelle glaubwürdig ist? Nicht alles für bare Münze nehmen? Was mag dieser Vater des „besessenen“ Jungen nicht alles ausprobiert haben? Wer mag ihm nicht schon alles versprochen haben, er könne seinen Sohn heilen? „Ich glaube doch!“, schreit der Vater. „Den anderen habe ich doch auch geglaubt. Mein Sohn ist immer noch krank. Meine Zweifel gehören zu mir. Du kannst meinem Sohn nur helfen, wenn du mich so nimmst, wie ich bin. Mein Glaube gehört zu mir! Hilf auch meinem Unglauben!“
So lautet einer meiner Versuche, die Jahreslosung zu lesen. Wenn wir alles für bare Münze nehmen, wenn wir uns kritiklos ein X für ein U vormachen lassen, geben wir die Verantwortung ab an irgendwen. Wir übernehmen sie dann jedenfalls nicht mehr. Richard P. Feynman, der großartige Physik-Nobelpreisträger und unbestechliche Wissenschaftler, legte großen Wert darauf, dass es Wissenschaft ohne Zweifel nicht gibt. Und er bewunderte den Glauben, der seiner Meinung nach ohne Zweifel auskäme. Ich möchte ihm widersprechen. Auch der Glaube kommt nicht ohne den Zweifel aus. Nichts an Gott kann ich wissen. Es gibt keinen archimedischen Punkt, von dem aus ich über Gott Sicherheit bekommen kann. Und wenn ich mir besonders sicher scheine, kann ich von Gott besonders weit entfernt sein. Glaube gibt es nicht ohne den Zweifel.
„Hilf meinem Unglauben!“ Dieser Vater hatte etwas begriffen. Wie sein Sohn gesund geworden ist: Ich weiß es nicht. Ich muss das auch nicht wissen. Ich freue mich für die beiden. Und verliere hoffentlich meinen Glauben auch im Auslandseinsatz nicht. „Hilf meinem Unglauben!“

Bernd Kehren,
Militärpfarrer


Lesen Sie hier, wie es zu „Theopoint“ kam.


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