Frieden schaffen ohne Waffen

Hat er ausgedient, der alte Slogan: „Frieden schaffen ohne Waffen!“?

Man hört es oft.

Ich finde den Slogan immer noch wichtig und richtig.

Hat der alte Slogan ausgedient?

Hat er ausgedient, der alte Slogan: „Frieden schaffen ohne Waffen!“?

Man hört es oft.

Ich finde den Slogan immer noch wichtig und richtig.

1. Außer in den USA käme wohl niemand auf die Idee, Kinder bewaffnet zur Schule zu schicken, damit sie dort sicherer und friedvoller lernen könnten.

2. Ich bin froh, in einem Land zu leben, in dem Deeskalation zur polizeilichen wie militärischen Strategie gehört.

3. Damit wird deutlich, dass es wohl ohne Waffen nicht geht. Dass Frieden durch polizeiliche und militärische Macht abgesichert sein muss. Leider. Wir leben nicht im Paradies.

4. Aber ich würde heute alle unterstützen, die mit diesem Slogan in Russland oder Weißrussland auf die Straße gehen. Die mit diesem Slogan deutlich machen wollen, dass es 2022 keine gute Idee ist, ein Nachbarland zu überfallen und seine zivilen Einrichtungen wie Krankenhäuser und Theater und seine Kulturgüter in Schutt und Asche zu legen, um eine großrussische Utopie und gegenseitige russische „Verbundenheit“ auszudrücken.

5. Die immer stärkeren Sanktionen gegenüber Russland und russischen Oligarchen sind ebenfalls Ausdruck des alten Slogans und von der Hoffnung getragen, Menschen in Russland dazu zu bringen, mäßigend auf ihren Präsidenten einzuwirken und auf seinen Rückzug zu drängen.

6. Kein Slogan hat allgemeine Gültigkeit.

Schon gar nicht einer, der lauten könnte: „Frieden schaffen nur mit Waffen!“

7. Aber die tiefe Wahrheit in jener anderen Formulierung liegt in der Erkenntnis: Frieden werden werden wir erst haben, wenn jene Waffen schweigen.

Wenn wieder Menschen unbewaffnet an Gräbern und Kriegsgräbern stehen, betroffen, dass ein solcher Angriff 2022 möglich war, wie viele Gräber er hinterlassen hat, wie viel Schaden, wie viel Traumatisierung und PTBS.

Wenn Menschen gemeinsam die Zerstörung aufräumen und neue Lebenswelten schaffen.

Das wird nur ohne Waffen gehen.

Bagger statt Panzer. Flugscharen statt Schwerter.
Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten statt Kasernen.

8. Wie gesagt: Ganz ohne Waffen wird es nie gehen.

Aber eben auch nicht ohne jene Utopie.

Wer die nicht träumt, wird es auch mit schwersten Waffen nicht schaffen.

Frieden schaffen ohne Waffen. Deswegen habe ich verweigert. Martin Luther King gelesen, Zivildienst geleistet.

Es braucht Menschen wie Benjamin Isaak-Krauß , die das studieren und davon predigen und publizieren und damit nicht ohne Erfolg arbeiten.

Aber auch er ist immer wieder darauf angewiesen, dass solche Bemühungen gut ausgerüstet abgesichert werden. Da sind wir beide möglicherweise unterschiedlicher Meinung.

9. Ich habe hohen Respekt vor beiden: Vor Menschen, die ihr Leben unbewaffnet riskieren, um Frieden wieder möglich zu machen, als auch vor (Bundeswehr-) SoldatInnen, die ihre Leben einsetzen, um kämpfend Frieden möglich zu machen. (Zum Glück hält sich die NATO militärisch zurück. Zum Glück müssen „meine“ Soldaten noch nicht aktiv kämpfen.) Im Häuserkampf wird der erste einer kämpfenden Einheit zu 95 % nicht lebend zurückkehren, habe ich gelernt. Das ist diesen Soldaten und ihren Vorgesetzten sehr bewusst. Und sie lassen sich darauf ein, weil ihnen Menschenrechte und Demokratie und Freiheit so wichtig sind. Wird und wurde ihnen dafür der nötige Respekt entgegen gebracht? Mit dem Slogan „Soldaten sind Mörder“ wohl eher nicht.

10. Frieden werden wir aber wohl nur gemeinsam erreichen können.

Ohne Pazifisten und ohne dass Bewusstsein für die gute Utopie des Friedens ohne Waffen werden wir uns dem Aggressor so ähnlich machen, dass es für niemanden auf der Welt gut ist.

„Frieden schaffen ohne Waffen!“

Was können wir den Diktatoren in dieser Welt bieten, dass sie sich auf eine Weltordnung einlassen, in der Menschen in Frieden und Freiheit leben können?

Bieten wir da genug? Haben wir schon genug probiert, was an zivilen Mitteln möglich ist? Haben wir es wirklich – wo doch unser Lebensstil maßgeblich anderen Menschen in der Welt den Lebensraum nimmt?

Der Slogan bleibt ein Stachel in unseren Gedanken. Ein Ansporn für Phantasie und guten Willen, solch eine schreckliche „Spezialoperation“, solch eine zerstörerische Aktion unmöglich zu machen und politische Systeme rechtzeitig so zu transformieren, dass es nie wieder einen solchen Angriff geben kann.

Nie wieder?

Auch so ein Traum, von dem wir nie ablassen dürfen. Auch wenn es dazu nötig ist, wehrhaft zu bleiben.

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