Der TheoPoint

Gedanken über Gott und die Welt

Gott widersprüchlich?

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In “Kurz gefragt” (Chrismon 02/2008) fragt ein Leser danach, warum Gott die bösen Menschen in der Sintflut mit dem Tode bestraft und sich damit selber nicht an das Tötungsverbot hält, dass er nun selber erlässt.

Burkhard Weitz beginnt seine Antwort darauf mit den Worten:

„Die Bibel ist voller Widersprüche. Sie ist eben nicht verbal inspiriert, sondern von Menschen geschrieben.“

Dieser Satz hat eine Voraussetzung: Gott ist ohne Widersprüche. Widersprüchliches muss dann vom Menschen kommen.

Was wäre eigentlich, wenn wir erkennen, dass Gott sehr wohl widersprüchlich sein kann? Unfassbar? Rätselhaft? Manchmal auch brutal?

Könnte diese Erkenntnis uns Menschen nicht vielleicht sogar entlasten, weil wir auch widersprüchlich sein dürfen? Eben: Von Gott geliebte Sünder?

Was wäre eigentlich, wenn in diesem Sinne die widersprüchliche, von Menschen geschriebene Bibel tatsächlich „verbal inspiriert“ ist, damit wir Menschen bescheiden werden, unserem Perfektheitswahn (an dem wohl jeder hin und wieder leidet) den Abschied geben und erkennen, wir können nur als Gemeinschaft der Unperfekten leben und lieben?

Du sollst dir von Gott kein Bildnis machen. Auch nicht das Bild des unfehlbaren und widerspruchsfreien Gottes. Glaube ich.

Bernd Kehren
03.02.2008

2 Kommentare

  1. Vom Heiligen Geist inspirierte Menschen soll es zu allen Zeiten gegeben haben, nämlich heilige und weise Propheten und der Geist Gottes soll sie als Sprachrohre benutzt haben um sich auszudrücken und dennoch sollen diesen Menschen- oder Gottes-Hüllen aufgrund ihres durch den Sündenfall erworbenen Anteils Fehler unterlaufen sein.

    In einer inspirierten Schrift unseres Zeitalters heißt es diesbezüglich:

    „Die Fehler und die Unzulänglichkeiten des Buches müssen unserer exkrementellen Schwäche und Bedürftigkeit angelastet werden, die dem moddrigen Nichts angehören. – So darf unsere zeitliche Individualität niemandem ein Hindernis entgegensetzen, sei es, indem sie ihn abstößt, sei es, indem sie ihn anzieht.“

    „Die Qualitäten und die Schönheiten des Werkes müssen unserem substanziellen Licht und unserer essenziellen Inspiration zugeschrieben werden, die Gott angehören. – Denn allein das WORT GOTTES und sein Heil müssen der Gegenstand all unserer Gedanken und all unserer Sorgfalt hier unten sein.“
    Die Wiedergefundene Botschaft XXXII, 1+1′ und 2+2′.

    Gemäß der jüdischen Tradition soll es den nicht manifestierten Gott geben, von dem man nichts sagen kann (den ELOHIM) und es soll den manifestierten Gott in seiner vollkommenen Realisierung geben; dieser ist das WORT, der JHVH, der für die Christen der in die Welt gekommene CHRISTUS sein soll.

    Im sterblichen Menschen – also in uns – soll ein Partikel des ELOHIM vorhanden sein, der aber angeblich einer Mumie gleichen soll, die wiederbelebt werden müsste, damit sie die Inspiration empfangen und ausdrücken kann.

    Würde mich sehr interessieren, wie Sie darüber denken, Herr Kehren. – Danke!

    • Sorry, aber mir sagt diese „wiedergefundene Botschaft“ nichts. Ich wüsste auch nicht, ob sie wirklich inspiriert ist.
      Was soll eine exkrementelle Schwäche sein?
      Und warum soll ich mich nicht jemandem in den Weg stellen dürfen?

      Wir sind Menschen, solange wir leben. Darum dürfen wir auch menschlich sein – und gerade darin können wir göttlich sein. Luther schribt, wenn ich mich nicht irre, dass auch das Wechseln einer stinkenden Windel ein wahrer Gottesdienst sein kann, und ich ergänze beispielhaft:
      Ebenso wie das Durchrechnen der Statik einer neuern Brücke.
      Da man während dieser Rechnerei sich nicht nur auf das Wort Gottes beziehen kann, erscheint mir diese Beschränkung nicht sehr sinnvoll.

      Sterbliche Menschen sind laut Gen 1 Ebenbilder Gottes, können Entscheidungen treffen, Inspiration empfangen und ausdrücken. Das ist mehr als nur „ein Partikel“. Trotzdem gelten wir ohne Gott als tot. Mag sein, dass damit dasselbe ausgesagt ist, wie mit der Mumie. Ich weiß es nicht.

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