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Kleine Zitate über die Rheinische Mission

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Zum Thema: Mission und Sklaverei

Die erste Rheinische Missionsstation wurde 1830 etwa 300 km nördlich von Kapstadt gegründet. Leipold und Wurmb, zwei der vier ersten Missionare der Rheinischen Mission kauften eine Farm und gaben ihr den Namen Wupperthal. Sie wurden keineswegs nur freudig begrüßt. Am 26.12.1829 schreibt Leipold in sein Tagebuch:

„Beinahe alle Bauern hier in der Umgebung sind gewaltig gegen die Mission, denn sie wissen, kommen Missionare in ihre Nähe, so werden diese (die Farbigen) bald klüger wie sie, und lassen sich nicht mehr unterdrücken und betrügen. Früher, auf manchen Flecken auch jetzt, haben Bauern schrecklich mit diesen armen Leuten gehandelt…“

Schule und Unterricht waren wichtige Elemente der Mission, außerdem die ärztliche Versorgung durch die Missionsstationen.

Die Sklaverei wurde in Südafrika 1838 offiziell abgeschafft. Mission hat auf ihre Weise dazu beigetragen.

Das Zitat stammt aus: Gustav Menzel, Die Rheinische Mission, Wuppertal 1978, S. 55f.

 

Zum Thema: keine Conquesta

Mit der brutalen Eroberung Lateinamerikas ab 1492 durch die spanischen Könige auf den Eroberungsfahrten von Hernán Cortés und Pedro de Valdivia hatte diese spätere Mission durch die pietistisch geprägten Missionsvereine nichts zu tun. Sie begann etwa 1705 durch August-Hermann Francke oder 1731 durch Zindendorfs Brüdergemeine und bekam einen neuen Schub Anfang des 19. Jahrhunderts nach den Berichten von Seefahrern wie Captain Cook.

Waren ihre Missionare teilweise auch kleine Patriarchen, so suchten sie die Nähe zu den Menschen, die sie bekehren wollten. Sie lebten beinahe mönchisch wie in Armut, Keuschheit und Gehorsam, predigten und evangelisierten, bauten Schulen und betrieben Sprach- und Völkerstudien. Massentaufen waren nicht erstrebt. Erste Taufen ergaben sich in der Regel erst ganz vereinzelt und nach Jahren.

1795 wurde die „London Mission Society“ gegründet. Aufgrund von Berichten in Elberfeld und Barmen entstand 1828 die Rheinische Missionsgesellschaft.

 

Zum Thema: Mission und Kolonialismus

Einer der Missionare der Rheinischen Mission war Fabri. Engagiert auch in die soziale Frage, sah er die Lösung der Probleme von Bevölkerungswachstum und Verelendung in Deutschland in einer gelenkten Auswanderung. 1879 erschien seine Broschüre „Bedarf Deutschland der Kolonien?” Die Rheinische Mission beklagte sein Engagement als Kolonialpolitiker, weil er sich nicht seinen missionarischen Aufgaben genügend widmete. „Als die Landnahme in Südwest erfolgt war, hat man sich davon in dem von immerwährenden Kämpfen beunruhigten Gebiet eine in ordentlichen Bahnen verlaufende Missionstätigkeit versprochen. So ist die gesamt Rheinische Mission wie ihr leitender Inspektor nicht freizusprechen von der Mitbeteiligung an der Okkupierung und Unterwerfung afrikanischer wie übrigens auch asiatischer Länder und Völker.“

Dies gilt auch trotz der Kritik am Kolonialismus. In einem Brief an die Nama-Konferenz (etwa im heutigen Namibia) heißt es: „Eure Aufgabe ist es, Christum zu predigen und die Seele Eures Volkes zu retten; jene aber wollen sich selbst bereichern, wollen Handel, Gewerbe, Industrie, unbekümmert, ob das Volk darüber zugrunde geht. Noch nirgends ist in der Heidenwelt eine europäische Kolonie entstanden ohne die schwersten Ungerechtigkeiten. Portugiesen und Spanier, Holländer und Engländer haben darin ziemlich gleichen Schritt gehalten. Die Deutschen werden es schwerlich viel besser machen, und ihr werdet die Aufgabe haben, Euer Volk vor Misshandlungen und Vergewaltigung der Weißen zu schützen, solange ihr könnt.“

Vgl.: Gustav Menzel, Die Rheinische Mission, Wuppertal 1978, S. 78f.

Die Auswirkungen des Handels im Allgemeinen waren eher negativ. Die Händler tauschten gerne Alkohol gegen Waren der Einheimischen. Um diese Folgen ein wenig abzuschwächen, begannen die rheinischen Missionare, selbst einen kleinen Handel zu betreiben. Fabri sieht die Gefahren der Vermischung zwischen Mission und Handel und regt deswegen die Gründung der „Missions-Handels-Aktien-Gesellschaft zu Barmen“ (1869) an. Nach anfänglichen wirtschaftlichen Erfolgen kommen Verluste und Konkurs. Als Ursache wird nicht nur die Konkurrenz verschiedener Handelsgesellschaften um Produkte wie Straußenfedern und Elfenbein genannt, sondern vor allem die Ausrottung der Tiere selbst. „Alles, was auf die Beine zu bringen war, zog aus auf die Jagd. Da wurde totgeschlagen und totgeschossen alles, was zu erreichen war, männlich und weiblich. Von Schonung des Nachwuchses war keine Rede. Die Folge war, dass in der Nähe bald nichts Jagdbares mehr zu finden war.“ Man versuchte zwar, z.B. die ungeheuren Rinderherden der Ova-Herero zu verwerten, scheiterte aber an den enormen Verlusten beim Viehtrieb.

Vgl.: Gustav Menzel, Die Rheinische Mission, Wuppertal 1978, S. 86f.

Nach 1884 war auch Deutschland Kolonialmacht. Die Rheinische Mission versuchte, sich dagegen deutlich abzugrenzen. Der damalige Leiter August Schreiber:
„Die Kolonisation dient zur Ausbreitung der Macht und es Ansehens unseres lieben deutschen Vaterlandes, die Mission dagegen will dienen zur Ausbreitung des Reiches und der Ehre unseres himmlischen Königs, Jesus Christus. So wolle man auch hier nicht verschiedenartige Dinge durcheinandermischen oder miteinander verwechseln; es wird beiden zugute kommen, wenn man sie reinlich und deutlich auseinander hält, denn die Geschichte kann uns lehren, dass noch niemals gute Resultate dabei herausgekommen sind, wenn die Missionare Kolonien gründeten, noch wenn die Kolonialmacht missionierte.“
In diesem Zusammenhang wurde auch von „dem unaustilgbaren Triebe des Christentums, die Religion der ganzen Menschheit zu werden“, gesprochen.

Das Miteinander von Mission und Kolonisation ist damit aber nicht ausgeschlossen. Allerdings muss die Mission unbeliebte Forderungen stellen, etwa nach der Einschränkung oder besser Abschaffung des Branntweinhandels und nach der Anerkennung der „Rechte der Eingeborenen“.
Schreiber: „Es ist gut, wenn die Missionare von Anfang an mit dabei sind, und wenn man ihnen, so oft sie für die Rechte der Eingeborenen eintreten, an maßgebender Stelle auch willig Gehör schenkt“.
An anderer Stelle schreibt er: „Es liegt auf der Hand wie viel auch unseren Missionaren und uns im eigenen Interesse daran liegen muss, dass diese Respektierung der Rechte der Eingeborenen und ihre gerechte billige Behandlung allezeit und nicht nur im Anfang beobachtet werden, denn sonst könnte die deutsche Kolonisation nur allzubald ein ganz gewaltiges Hindernis für die Missionsarbeit werden, wenn nämlich den Herero und Namaqua eben dasselbe begegnen sollte, was schon so manchem Heidenvolke begegnet ist, dass sie nämlich das Evangelium aus der Hand desselben Volkes hinnehmen sollen, das ihnen die Freiheit geraubt, sie unterdrückt hat“. Die Annektierung als solche wird aber nicht als Widerspruch zum Recht der Einheimischen gesehen. Es gehe ihnen in vielen Kolonien besser als je zuvor; sie hätten „ihren Herrschern unendlich viel zu verdanken“. „Aber leider wird solches fast nie von den unterworfenen (!) Völkern anerkannt“. Als „Unterdrückung“ wird die Herrschaft fast nie bezeichnet – obwohl sie es faktisch ist.

Vgl.: Gustav Menzel, Die Rheinische Mission, Wuppertal 1978, S. 218ff.

Gedankt hat man dies der Rheinischen Mission nicht. Als 1904 der Herero-Aufstand gegen die totale Besitzergreifung durch die Weißen erfolgte, erfolgten in der deutschen Presse üble Angriffe gegenüber der Missionsgesellschaft, die für diese „Bestien“, „Paviane“, „Ungeziefer“, “Raubgesindel und Mörder“ eintreten. „Die Mission besitzt noch die Unverfrorenheit, für das farbige Gesindel einzutreten“, heißt es in einer Zeitschrift des „Kolonialbundes“. Aber selbst bei Angriffen durch die Regierung „hinterfragte auch die Rheinische Mission nicht das Recht der Besitzergreifung durch das deutsche Reich. Innerhalb dieser Grenzen lag ihr Verdienst, wehrte sie sich gegen die Ausbeutung und reine Nutznießung der Kolonien auf Kosten der Einheimischen.“
Weiter ging hingegen „August Bebel, Sprecher der Sozialdemokratie im Reichstag, der in seiner Reichstagsrede vom 30.1.1905 mit der gesamten deutschen Kolonialpolitik abrechnet: ‚Das Recht zum Aufstand, das Recht zur Revolution hat jedes Volk und jede Völkerschaft, die sich in ihren Menschenrechten aufs alleräußerste bedroht fühlt. Wenn schließlich nach all diesen Taten, die ich hier vorgetragen habe, schließlich der Aufstand der Herero ausbrach, so ist das nur die natürliche Folge unserer Kolonialpolitik, des Verhaltens der Ansiedler, kurz, der ganzen Tätigkeit, die von uns in Südwestafrika ausgeübt wurden ist‘.“
Warum nur konnte die Kirche nicht so deutliche Worte finden?

Vgl.: Gustav Menzel, Die Rheinische Mission, Wuppertal 1978, S. 241ff.

 

Zum Thema: Mission und Konfession

Die Missionare wurden geradezu ordensähnlich verpflichtet. Heirat war nur mit Genehmigung des Missionsleitung erlaubt. Wohlstand der Missionare galt als schädlich für sie selbst, und es würde schlechten Eindruck auf die Heiden machen. Wer eigenmächtig handelte oder sich den Anordnungen widersetzte, wurde abberufen.
Keine Rolle sollten aber die Konfessionen für die Mission spielen. „Es kann mithin die Absicht unserer Missions-Gesellschaft nicht sein, für eine besondere Confession zu werben, oder deren Unterscheidungs-Lehren geltend zu machen, sondern Christo Seelen zu gewinnen. Der geschichtliche Gang, den die Kirche Christi in Europa durchzugehen hatte, dass sie durch eine Reinigung der Lehre in der Reformation die Fesseln des Irrtums und der Menschenlehre brechen musste, ist insofern für die dortigen Brüder aus den Heiden von geringerer Bedeutung, dass sie denselben nicht nicht notwendig abermals durchzugehen haben, sondern sich unmittelbarer auf die apostolische Kirche, ihre Lehre und ihre erste Einrichtung gründen können.“

Vgl.: Gustav Menzel, Die Rheinische Mission, Wuppertal 1978, S. 97-99.

 

Zum Thema: Schuldbekenntnis nach 1945

Es ließe sich viel Positives über die Rheinische Mission während der Herrschaft des Nationalsozialismus in Deutschland sagen. Die Missionsgesellschaft hatte sich der Bekennenden Kirche angeschlossen, die auch gegen das Verbot der Nazis die Prüfungen der Missionare abnahm und heimlich die Kirchliche Hochschule beherbergte.

„Aber mit dem allen sind wir nicht gerechtfertigt. Wir haben uns vor diesen Gewalten gebeugt und waren zu taktischen Erwägungen, zu Verhandlungen und Kompromissen oft bereit. … Sind wir nicht daran mitschuldig geworden, dass das Gift einer gottlosen politischen Weltanschauung und Machtausübung in die anderen Völker eindrang und sie in ihrem eigenen Nationalismus bestärkte?“

Vorher hatte es in der Erklärung der Leitung (damals „Deputation“ genannt) von 1947 über das politische Verhalten der Missionsarbeiter geheißen:

„Dass wir nicht allein an unserm Christus gehangen haben, nicht allein im Wort Gottes Weisung für unser Handeln gesucht haben, nicht gehorsam genug ihm gefolgt sind, nicht ernstlich genug gebetet, nicht gehorsam genug Ihm gefolgt sind, nicht ernstlich genug gebetet, und nicht getrost die Königsherrschaft Jesu bekannt haben, das ist unsere Schuld. Aus dieser geistlichen Schuld erwuchs alle andere Schuld: unsere politischen Träume und Verblendungen, unsere Angreifbarkeit gegenüber politischer Propaganda, Überredung und Bedrohung, unsere falschen Entscheidungen und halbherzigen Handlungen. Darum leben wir nun mit unserem Volk und anderen Völkern am Rande der Verzweiflung“.

Vgl.: Gustav Menzel, Die Rheinische Mission, Wuppertal 1978, S. 123f.

 

Zum Thema: Missionare und ihre Frauen und Kinder

Die Missionsleitung „hat es den Missionaren nicht leicht gemacht, wenn sie forderte, dass die Brautwahl erst nach bestandenem Examen erfolgen dürfe. In den meisten Fällen mussten die Missionare unverheiratet hinausgehen. Dass die Bitte von draußen um Heiratserlaubnis oder Vermittlung einer Braut nach der gesetzten Frist von mindestens zwei Jahren wunschgemäß erfüllt wurde, war keineswegs eine Selbstverständlichkeit.“ Noch in den Dreißiger Jahren ist es für die Missionsleitung ganz selbstverständlich, „eine Art elterlicher Genehmigung der Brautwahl“ zu beanspruchen.

„Die strenge Durchführung dieses Prinzips traf – mag eine spätere Generation die Starrheit auch gelegentlich verwundern und erschrecken – Menschen, die bereit waren, ihren Weg in Demut und beinahe willenlosem Gehorsam zu gehen.“

Die Arbeit, die ihre Frauen dann leisten sollten, war immens und überstieg teilweise das, was „menschlich zumutbar“ war. Erfahren hat man davon aber weniger direkt sondern vor allem indirekt über die reichhaltigen Erzählungen darüber, was die Missionare alles auszuhalten hatten. Besonders hart war für die Eltern die Trennung von den Kindern, die im Schulalter zur Erziehung nach Deutschland geschickt wurden. 1856 wurde neben dem Missionshaus in Wuppertal deswegen ein eigenes Kinderheim eingeweiht. Gemeint sind aber vor allem die Missionarssöhne: „Die Töchter sind standesgemäß erzogen, wenn sie die Bildung ihrer Mutter bekommen haben, d.h. also nächst der Bildung, welche der heilige Geist gibt, Lesen, Schreiben, Rechnen, die elementaren Kenntnisse der Geschichts-, Erd- und Naturkunde, Fertigkeit im Gesang, um nötigenfalls die Hausandacht leiten zu können, Geschick in weiblicher Arbeit und in der Führung der Wirtschaft.“ Die Söhne hingegen bekommen bei entsprechender Eignung ein der Missionarsausbildung entsprechendes Studium am Missionshaus. Ab 1874 erfolgte die Ausbildung am evangelischen Gymnasium in Gütersloh. Weitere Heime gab es zeitweilig in Moers und Bad Kreuznach. Später wurde den Töchtern die Ausbildung zu Volksschullehrerinnen ermöglicht.

Heute kann man dies nur noch aus der historischen Situation verstehen. Heute ist Mission „ganz anders“.

Vgl.: Gustav Menzel, Die Rheinische Mission, Wuppertal 1978, S. 129ff.

 

Zum Thema: Mission und Medizin

Innerhalb der Mission blieben die Missionsärzte eine kleine Gruppe, verhalfen aber zu einem umfassenderen Missionsverständnis.
„Krankenheilen könne niemals Selbstzweck, sondern nur ein Mittel zum Zweck sein“.

„Dr. Olpp, lange Jahre Missionsarzt in China, sagte z.B. 25 Jahre später: ‚Im Gegensatz zu der Auffassung des 19. Jahrhunderts sind wir also der Ansicht, dass der Missionsarzt in erster Linie ein guter Fachmann sein soll, und dass seine Tätigkeit im Dienste unsers Herrn und Meisters wie die der Schultätigkeit nur ein Wegbereiter für das Evangelium, eine Hilfswaffe im Kampf um die Ausbreitung des Christentums, allerdings eine Hilfswaffe von nicht zu unterschätzender Bedeutung, besonders in mohammedanischen Ländern, ist.'“

1922 sprach ein Missionsarzt von einem Auftrag, den Jesus gegeben habe, „die Kranken gesund zu machen“. „So hat denn auch die christliche Mission von alters her die Pflege der Kranken als eine ihrer wichtigsten Pflichten erkannt, und auch heutigen Tages lässt sich die Fürsorge für die Kranken und Elenden gar nicht von der Predigt des Missionars, von der Verkündigung der frohen Botschaft trennen.“

Vgl.: Gustav Menzel, Die Rheinische Mission, Wuppertal 1978, S. 155ff.

 

Zum Thema: „Mission ist ganz anders“

Nach dem zweiten Weltkrieg setzte eine Entwicklung in der Weltmission ein, die auch in der Rheinischen Mission Veränderungen zur Folge hatte.
Die Begriffe „Missionsfeld“, „Missionar“, „Mission“ wurden mit einem Fragezeichen versehen. Das neue Stichwort hieß „Partnerschaft“.

Es kam zu Kirchengründungen bei den Missionskirchen.

1973 wurde z.B. mit den Kirchen in Indonesien und Deutschland, die der VEM verbunden sind, ausgedrückt, dass „Mündige Partnerschaft“ u.a. geprägt ist von

  • gegenseitiger Abhängigkeit mit gegenseitigem Geben und Nehmen, gegenseitigem Helfen von zwei unabhängigen Partnern
  • beiderseitiger Teilhabe an gemeinsamen Aufgaben
  • Gleichberechtigung der Partner

Nach der Weltmissionskonferenz von Mexico City (1963) wurde von „Mission in sechs Kontinenten“ gesprochen, damit kam ansatzweise auch wieder der Gedanke in den Blick, dass die Missionsgesellschaft auch im eigenen Land eine Aufgabe haben könne.
Weil Kirchen das Angebot des Missionsseminars nicht nutzen wollten und weil die Partnerkirchen nicht mehr lebenslange Missionare, sondern ökumenische Mitarbeiter und Spezialisten auf Zeit brauchten, wurde das Seminar 1970 geschlossen.

Theologisch wurde die organisatorische Trennung von Kirche und Mission fragwürdig. 1955: „Der Platz der Mission ist nicht neben, sondern in der Kirche. Ihre Aufgabe ist Aufgabe der ganzen Kirche. Ihre Verantwortung die Verantwortung der kirchlichen Leitungsorgane in den Gemeinden und Synoden…“ (Menzel, 387) Dies wurde von der rheinischen Landessynode 1955 bestätigt.

1962 wurde die Satzung der Rheinischen Mission so geändert, dass die der Rheinischen Mission verbundenen Kirchen Vertreter in die Missionsleitung entsandten. In diesem Zusammenhang ist auch die Vereinigung mit der Bethel-Mission der westfälischen Kirche zu sehen.

 

Zum Thema: Das Selbstverständnis der Rheinischen Mission

1967 führten verschiedene Beratungen zu einem Brief der Missionsleitung, in dem das Selbstverständnis der Rheinischen Mission dargestellt wurde. Nach einem Bekenntnis zum Auftrag, das Evangelium auf der Grundlage der Heiligen Schrift gemäß der Auslegung durch die reformatorischen Bekenntnisse und die Theologischen Erklärung von Barmen zu verkündigen, wird auf das Thema der Weltmissionskonferenz von Mexico City „Mission in 6 Kontinenten“ von 1963 Bezug genommen.Â

„Mission ist nicht der Dienst der Besitzenden an den Habenichtsen, den ‚armen Heiden‘. Vielmehr ist Mission so zu beschreiben, dass ein Bettler dem anderen sagt, wo es Brot gibt. Dies ist nicht nur geistlich zu verstehen. … Die missio dei, die Gottessendung, meint den ganzen Menschen, Wortzeugnis ohne das liebende Handeln am Nächsten wird steril und unglaubwürdig. Helfender Dienst ohne das Zeugnis des Wortes wird zum bloßen humanen Handeln ohne Hinweis darauf, dass das eben mehr ist als die Speise, ohne Hinweis auf den, der das Brot des Lebens ist. … Unsere Versuchung besteht darin, dass wir Projekte statt Zeugnis bieten. …
Wenn wir Partnerschaft sagen, haben wir die Mission im ökumenischen Zeitalter vor Augen. Die Partnerschaft bedeutet ökumenisches Handeln in seiner ganzen Breite. Das heißt, dass wir uns heute für Konfessionen und Kirchen öffnen, die wir bisher nicht im Blick hatten, dass wir uns in bewusster Solidarität in die Andersartigkeit des ökumenischen Partners hineinversetzen und an seinem Reichtum teilhaben.“
Das Schreiben ist unterzeichnet von Präses Schlingensiepen und Direktor Menzel im Juni 1967.

Eine Gegenbewegung fand sich seit der „Bekenntniskundgebung“ 1966 in Dortmund unter der Losung „Kein anderes Evangelium“ in der „Frankfurter Erklärung“: Sieben Thesen sollten zur Diskussion gestellt werden – durch den Aufruf zur massenhaften Unterzeichnung wurde die Diskussion jedoch von vorneherein abgewürgt und eine Scheidung herbeigeführt – obwohl weithin eine kritische Zustimmung möglich gewesen wäre.

vgl.: Gustav Menzel, Die Rheinische Mission, Wuppertal 1978, S. 389 ff.

 

Zum Thema:
Vereinte Evangelische Mission (VEM)
Gemeinschaft von Kirchen in drei Erdteilen

Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) / United Evangelical Mission (UEM) ist eine internationale Missionsgemeinschaft mit Sitz in Wuppertal. Ihr gehören gegenwärtig 33 Kirchen in Afrika, Asien und Deutschland an.

Vorausgegangen war 1971 der Zusammenschluss der Rheinischen Mission und der Bethel-Mission zu einem regionalen Missionswerk mit dem Namen „Vereinigte Evangelische Mission“ (VEM), 1979 kam die Zaire-Mission hinzu.

1996 wurde die VEM bei einer Vollversammlung aller Mitgliedskirchen in Bethel von einem deutschen Missionswerk in eine internationale Missionsgemeinschaft umgewandelt und heißt seitdem Vereinte Evangelische Mission (VEM). 
Gemeinschaft von Kirchen in drei Erdteilen
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Darin wird auch organisatorisch deutlich, dass Mission auf Gegenseitigkeit beruht, auf einem gegenseitigen gemeinschaftlichen Geben und Nehmen, auf Teilen von Verantwortung und Gaben der Kirchen, die sich in der VEM / UEM zusammengeschlossen haben.

„Die United Evangelical Mission/Vereinte Evangelische Mission arbeitet in einem Netz von Kirchen aus Afrika, Asien und Europa und wo immer sie zum Dienst berufen wird.

Gemeinsam verkündigen sie Jesus Christus als Herrn und Heiland aller Menschen und stellen sich den gegenwärtigen missionarischen Herausforderungen.

In einer zerrissenen Welt wollen sie Glieder des einen Leibes Christi bleiben und darum

  • zu einer anbetenden, lernenden und dienenden Gemeinschaft zusammenwachsen,
  • Gaben, Einsichten und Verantwortung teilen,
  • alle Menschen zu Umkehr und neuem Leben rufen,
  • im Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung das Reich Gottes bauen.“

(aus der Satzung der VEM)

Stand: 09.03.2000

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