Der TheoPoint

Gedanken über Gott und die Welt

Der sinkende Petrus – Friedwald Bad Münstereifel 1.11.2016

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Ansprache im Friedwald Bad Münstereifel zur Gedenkfeier am 30.10. und 1.11.2016
(zu Matthäus 14,22-33)

Ich freue mich immer auf den Friedwald.

Die Luft, das Licht, die Bäume, die Tiere, das Wasser.
Die Bäume brauchen das Wasser, die Tiere brauchen das Wasser, unsere Seele braucht es.

Eine schöne Atmosphäre.
Und doch: Ein Ort der Trauer.
Das Wasser der Trauer ist salzig.

Die Erinnerung an Menschen, die uns fehlen.
Aber die Tränen zeigen: Sie sind nicht ganz weg.
Wir sind mit ihnen verbunden.
Und gemeinsam sind wir gut aufgehoben bei Gott.

Mir gefällt der Psalm, den wir gerade im Wechsel gesprochen haben (Ps 42,2-4.6b.9-12).

Unser Durst.

Unser Durst nach Nähe zu denen, die uns fehlen.

Unser Durst zu Gott, bei dem wir und unsere Lieben gut aufgehoben sind.

Das hört sich positiv an und das ist es auch.

 

Aber es nimmt das Schwere nicht weg.
Wir dürfen Gott klagen, was uns fehlt.
Wir dürfen Gott klagen, wie schwer uns das alles fällt.

Unser Kummer über die Lücke, die der Tod gerissen hat.

Die Bibel ist da ganz realistisch. Unser Leben ist nicht immer heil. Wir surfen nicht nur immer auf der Welle des Glücks. Wir brauchen das Wasser zum Leben, aber das Wasser kann auch Angst machen, wir können darin ertrinken.

So wie es auch den Jüngern gegangen ist, in jener Nacht, als Jesus noch seine Ruhe brauchte und die Zeit zum Gebet. Die Nacht, als er seine Jünger vor geschickt hatte, dass sie schon einmal über den See Genezareth fahren. Dieser See, der schon fast ein Meer ist.
Dieses Wasser, das zum Leben nötig ist, und das zugleich das Leben bedrohen kann.

Das einem die Luft zum Leben nehmen kann, wenn die Wellen zu hoch schlagen.

Wie hoch schlagen Ihre Wellen, wenn Sie an Ihre Trauer denken? An den Verlust? An die Riesen-Lücke, die der Tod gerissen hat?

Bei den Jüngern im Boot schlagen die Wallen hoch, sie haben Angst und sie haben eine Erscheinung.

Mitten auf dem See sehen sie Jesus, erkennen ihn aber nicht.

Bedeutet diese Erscheinung ihre Rettung oder ihren Untergang?

Man kann die Geschichte ganz unterschiedlich deuten, das werden Sie gleich merken.

Die Jünger denken eher an Untergang.

Aber es ist die Stimme von Jesus. Es ist die Stimme, die beruhigt. „Macht Euch keine Sorgen. Ich bin es.“

Und heute: „Macht Euch keine Sorgen: Eure Verstorbenen sind gut aufgehoben. Ihr seid gut aufgehoben. Auch wenn der Wind Eures Lebens Euch kräftig entgegen bläst. Auch wenn Euch dieser Wind fast die Luft zum Atmen nimmt. Fürchtet Euch nicht!“

Ist das wirklich so einfach?

Für Petrus ist es das nicht. Ihm reicht das noch nicht.

„Fürchtet Euch nicht“, das kann doch jeder sagen. Aber kann er sich auch drauf verlassen?
Worin besteht der Unglaube des Petrus, den ihm Jesus später bescheinigen wird?

Erst, als er in den Wellen versinkt?

Oder als er Jesus nicht glaubt, dass das Wasser ihm nichts mehr anhaben kann?

Als er von Jesus fordert, auch auf dem Wasser gehen zu können, wo doch jeder weiß, dass Wasser keine Balken hat…

Petrus will selber auf dem Wasser gehen können.

Ist das nicht ein wenig unbescheiden?

So wie vielleicht bei uns, wenn wir fordern, mit der Trauer müsse doch mal Schluss sein?

Wenn wir dies von anderen verlangen oder von uns selbst?

Petrus überfordert sich selbst – und Jesus lässt sich drauf ein.
Petrus überfordert sich selbst – und Jesus macht das Unmögliche möglich.
Auf den ersten Blick zumindest.

Denn Wasser hat keine Balken. Wer auf das Wasser tritt, und das Wasser ist tief, der wird untergehen. Und Petrus geht unter.

So viele Menschen sind in der Pflege von lieben Angehörigen sozusagen auf das Wasser gegangen. Eigentlich hätten die Kräfte gar nicht reichen können. Eigentlich hätte man untergehen müssen. Aber es ging irgendwie.

Und jetzt: Das Riesenloch. Und jetzt: Die Trauer. Und plötzlich trägt das Wasser nicht mehr.

Aber Petrus ertrinkt nicht.

Wir merken: wir sind doch gehalten.

Die Erde dreht sich weiter.

Und es heißt: Und die beiden (Jesus und Petrus) traten ins Boot, und die Wogen legten sich.

Das wünsche ich Ihnen: Dass sich die Wogen legen.
Dass Sie durchatmen konnten.
Dass Sie sich bei Gott geborgen fühlen können.

Mit Ihrer Trauer. Mit Ihren guten Erinnerungen. Mit Ihrem Gottvertrauen.
Amen.

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